Pirelli Kalender 2010

 
Der Pirelli Kalender 2010, bereits in der 37. Auflage, wurde bei seiner Weltpremiere in London zahlreichen Gästen, Pressevertretern und Sammlern aus aller Welt präsentiert. Die seit langem erwartete Präsentation des "The Cal", der seit mehr als 40 Jahren ein  absolutes Kultobjekt ist, fand dieses Jahr im Old Billingsdale statt, einem extravaganten Gebäude aus dem späten 19. Jahrhundert am Rande der Themse, das bis 1982 den Fischmarkt der britischen Hauptstadt beheimatete.

2008 wurde der Kalender rund um das Thema "China" durch Patrick Demarchelier in Szene gesetzt, gefolgt vom spektakulären Botswana Shooting durch Peter Beard ein Jahr später - 2010 wird das Jahr Brasiliens und des amerikanischen Fotografen Terry Richardson, das gefeierte "enfant terrible", bekannt durch seine provokativen und skandalösen Fotos.

In den 30 Bildern des Kalenders 2010 zeigt Terry Richardson eine Wiederkehr zu verspielter, purer Erotik. Durch seine Linse verfolgt er Fantasien und provoziert - das gelingt ihm aber mit einer Schlichtheit, die die schönsten Seiten der Weiblichkeit formt und einfängt. Er zeichnet ein Frauenbild, das durch seine Natürlichkeit fesselt, das mit Stereotypen spielt, um diese wieder umzukehren. Richardson inszeniert die Frau auch ironisch - eine Wiederkehr zu natürlichen, authentischen Atmosphären und Bildern der 60' und 70' Jahre.  Der Kalender 2010 ist eine Hommage an die Ursprünge des Kalenders, ein Schritt hin zu den ersten Auflagen von Robert Freeman (1964), Brian Duffy (1965) und Harry Peccinotti (1968 und 1969).

Terry Richardson hat genau wie seine berühmten Vorgänger die Einfachheit der Fotografie in den Vordergrund gestellt, ganz ohne zu  retuschieren. Die Natürlichkeit siegt über die Technik und ist der Schlüssel zur Abkehr von künstlichen Ausschweifungen, um die Frau dahinter zu präsentieren - ganz im Geiste der heutigen Zeit.
 


Der Pirelli Kalender 2010 hat eine klare Sprache, und Terry Richardson ist sein Interpret: er zeigt Figuren ohne Schnickschnack, weit weg von komplizierter und künstlicher Umgebung der heutigen Modetrends. Die Kulisse ist frei von auffallenden Hintergründen oder Formen, im Einklang mit der Einfachheit und Konzentration auf das Wesentliche, die der Fotograf verfolgt. " Ein guter Fotograf fängt den Moment ein - darum arbeite ich ohne extra Ausstattung und ohne Assistenten", so Richardson.

"Meine Technik zeichnet sich durch das Fernbleiben von Technik aus: meine Linse ist mein Auge, mein Charisma, meine Fähigkeit den Augenblick der Wahrheit einzufangen, wie immer dieser auch aussehen mag, der Blickwinkel, der Gebrauch von Farben, Licht, Umgebung - diese waren stets die wesentlichen Elemente meiner bisherigen Fotografie." 

Thema

Der Hahn, der Säbel, der Wasserstrahl und der alte Reifen sind die Eckpunkte des Märchens von Richardson, die diesem Rhythmus und Harmonie verleihen. Ein Märchen, bei dem Andeutungen von Pop Art, welche die frühen Auflagen des Kalenders inspirierte, jetzt mit der Richardson-typischen Erotik verschmelzen. Eine Erotik, die im Kalender 2010 nur schwach durch Anspielungen beschworen wird,  um Sitten zu trotzen und Tabus Gestalt und Sinnlichkeit zu geben.

Es ist ein Kalender, der Francesco Negri Arnoldi, früherer Kunstgeschichtsprofessor an der Universität Salento in Lecce und der Universität Tor Vergata in Rom, als "Pop" bezeichnen würde. Er umreißt das Konzept als "völlig neu in seiner Rückkehr in die Vergangenheit; absolut originell in seiner vereinigenden Tradition; und fähig, den Reiz der natürlichen Weiblichkeit wieder zu entdecken". Mit der Wiederkehr zur Pop Art wird eine essentielle und bildhafte Sprache angewandt, die von allen verstanden wird und nur vom Alltag verschmutzt werden kann.


letzte Überarbeitung : 19-11-2009